O'Leary: Kerosin reicht bis Sommer 2027, kostet aber 50 % mehr als Brent
Ryanair-Chef Michael O'Leary erwartet keine Kerosinknappheit in Europa in diesem Winter oder bis in den Sommer 2027, „außer bei einem unvorhergesehenen Ereignis“, berichtete Euronews von einer Pressekonferenz des Verbands Airlines for Europe (A4E) am 8. Oktober in Brüssel. Das Problem ist der Preis, nicht die Menge.
Der Aufschlag. Historisch sei Kerosin etwa 10 bis 15 % teurer gewesen als Brent, derzeit seien es rund 50 %, sagte O'Leary. Er erwartet, dass dieser Aufschlag noch 12 bis 18 Monate anhält, und verweist auf Angriffe auf russische und nahöstliche Raffinerien sowie knappe Tanker- und Raffineriekapazitäten.
Die Zahlen dahinter. Laut IATA-Treibstoffmonitor hatten Europa und die GUS-Region den höchsten durchschnittlichen Kerosinpreis aller Regionen — 195,95 Dollar je Barrel in der Woche bis 2. Oktober, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, wenn auch 1 % weniger als in der Vorwoche. Weltweit blieb der Aufschlag von Kerosin auf Rohöl rund dreimal so hoch wie vor einem Jahr. Kpler-Analyst George Shaw sagte Euronews im September, Kerosin hänge eng am Dieselmarkt, der noch knapper sei und zuletzt Rekordpreise erreichte.

Warum die Versorgung halten dürfte. Saisonal geringere Nachfrage ab November und Importe aus Asien — Kpler zählte fast 900.000 Tonnen angekündigte Kerosinlieferungen — sollen Europa versorgt halten. Die EU-Kommission erklärte am 8. September, höhere Raffinerieleistung in der EU und alternative Importe deckten die Nachfrage, warnte aber vor Engpässen bei weiteren Störungen im Nahen Osten. Die G7 vereinbarten vergangene Woche, die Freigabe von 100 Millionen Barrel aus strategischen Reserven zu beschleunigen; laut IEA ist das Teil der im März beschlossenen Notfreigabe, mit Vorrang für Diesel, nicht Kerosin.
Was das über Airlines hinaus bedeutet. Ryanair hat bereits den Winterflugplan und das Jahresziel auf 214 statt 216 Millionen Passagiere gekürzt. Für Inflationsbeobachter gilt der allgemeinere Punkt, den Zentralbanken immer wieder machen: Der Energieschock ist vom Rohöl in die Raffinerieprodukte gewandert. Das EZB-Protokoll vom September nannte europäische Diesel-Crack-Spreads über 70 Dollar je Barrel, mehr als das Dreifache des Vorkriegsniveaus. Wenn Raffineriemargen statt Rohöl die Kraftstoffpreise treiben, senkt ein fallender Ölpreis Transportkosten — und die Gesamtinflation — weniger als früher.
Quelle: Euronews Business, „Ryanair CEO sees no European jet fuel shortages into summer 2027“, 8. Oktober 2026 — https://www.euronews.com/2026/10/08/ryanair-ceo-sees-no-european-jet-fuel-shortages-into-summer-2027