BoJ-Vize Uchida: KI wirkte zuerst als Nachfrageschock und lockerte die Finanzierungsbedingungen per Saldo
Shinichi Uchida, Vizegouverneur der Bank of Japan, hat künstliche Intelligenz in seiner Eröffnungsrede zum ECONDAT 2026 Fall Meeting am 5. Oktober, einer Konferenz zu KI, Big Data und Geldpolitik, als „großen positiven Nachfrageschock“ für die Geldpolitik beschrieben. Es sind Eröffnungsworte eines Mitglieds der Notenbankführung, keine geldpolitische Erklärung.
Vier Wege zur Geldpolitik. Laut Uchida beeinflusst KI zentrale Größen der Geldpolitik – die Produktionslücke, die Finanzierungsbedingungen und die sogenannten Stern-Variablen – auf vier Wegen:
- sie ist ein großer positiver Nachfrageschock, der Wirtschaft und Preise nach oben drückt;
- sie könnte die Angebotsseite beeinflussen, womöglich positiv über höhere Produktivität und Kapitalbildung, was wiederum den neutralen Zins r* verändern könnte;
- sie hat die Aktienkurse steigen lassen und die Finanzierungsbedingungen gelockert, während hohe Anleiheemissionen von KI-Unternehmen die langfristigen Zinsen nach oben drücken und sie verschärfen;
- sie könnte die Arbeitsmärkte strukturell verändern. Jeder dieser Faktoren wirke in andere Richtungen und über andere Zeiträume, und Notenbanken wüssten noch nicht, wie stark und über welchen Zeitraum.
Seine vorläufige Einschätzung. Es scheine, so Uchida, dass zuerst die Nachfrageseite gewirkt und die Finanzierungsbedingungen per Saldo gelockert habe; es bestehe aber das Risiko einer Korrektur, wenn die Gewinne nicht folgen. Die Wirkung auf r* und auf die natürliche Arbeitslosenquote u* sei derzeit schwer abzuschätzen. KI sei zu einem zentralen Thema der geldpolitischen Sitzungen der Bank geworden, und die Bank beurteile die Wirtschaft als Ganzes, einschließlich der Bereiche, die KI weniger berührt.
KI in der eigenen Arbeit. Für die Analyse beseitigten KI und Big Data zwei Grenzen, die Rechenleistung und die Datenverfügbarkeit. Als jüngere Beispiele nannte er Mobilitätsdaten während der Pandemie und Schiffsverfolgungsdaten, mit denen die Bank heute die Folgen des Nahostkonflikts für Japans Rohölimporte und Lieferketten beobachtet.

Was das bedeutet
Die Rede verortet KI in dem Rahmen, mit dem die Bank of Japan Zinsen festlegt, statt sie als langfristige Produktivitätsgeschichte zu behandeln. Die Aussage, der Nachfrageeffekt sei zuerst gekommen und habe per Saldo gelockert, ist eine vorsichtige Beschreibung, kein geldpolitisches Signal; wie viel Gewicht die Führung ihr gibt, werden erst der Ausblicksbericht und die Sitzungsunterlagen der Bank zeigen.