Ueda über fünf Energieschocks: Ölpreise testen das ganze Inflationsregime
Die Bank of Japan hat am 9. Oktober neue Papiere der IMES-Discussion-Paper-Reihe gemeldet; zu den jüngsten gehört Nr. 2026-E-12, eine Zusammenfassung der BoJ-IMES-Konferenz 2026 „Monetary Policy from New Perspectives" vom 27. und 28. Mai. Das Papier von Yusuke Oh, Daisuke Ikeda und Yojiro Ito ist auf September datiert und gibt nach eigener Angabe die Ansichten der Teilnehmer wieder, nicht die ihrer Institutionen.
Ueda: fünf Energiespitzen, fünf Ergebnisse. Gouverneur Kazuo Ueda verglich zum Auftakt die fünf großen Energiepreisspitzen, die Japan seit den 1970er-Jahren erlebt hat. Der Ölschock von 1973 traf eine bereits überhitzte Wirtschaft und löste eine klassische Lohn-Preis-Spirale aus; Löhne waren der wichtigste Kanal, gestrafft wurde erst, als die hohe Inflation sich festgesetzt hatte. Der Schock von 1979/80 brachte viel mildere Inflation: Die Geldpolitik reagierte schneller, Inflation und Löhne lagen anfangs niedriger, Firmen und Gewerkschaften hatten aus 1973 gelernt, eine vorangegangene Yen-Aufwertung dämpfte Importpreise, und die Unternehmen hatten begonnen, ihre Ölabhängigkeit zu senken. Der Ölpreisanstieg Mitte bis Ende der 2000er bewegte die zugrunde liegende Inflation kaum, weil Japan da bereits in einem deflationären Gleichgewicht steckte; er wirkte vor allem wie eine Steuer auf Realeinkommen. Ab etwa 2021 erwies sich der Kostenschock als nicht vorübergehend: Preiserhöhungen verbreiterten sich, Firmen gaben Kosten bereitwilliger weiter, Löhne und Erwartungen stiegen – aber ohne Spirale wie in den 1970ern, denn die mittel- bis langfristigen Erwartungen stiegen nur von nahe null auf etwa 1,5 bis 2 %.
Sein Fazit laut Zusammenfassung: Notenbanken sollten Ölpreise nicht isoliert betrachten, die Grenze zwischen vorübergehender und dauerhafter Inflation sei nicht mechanisch, und Ölpreisschocks seien Tests des gesamten Inflationsregimes. Die fünfte solche Spitze laufe gerade.

Kohn zur Unabhängigkeit. Donald Kohn von der Brookings Institution, früherer Vizechef der Federal Reserve, hielt die Mayekawa Lecture. Die Bedrohung der Notenbankunabhängigkeit in den USA habe ein Niveau erreicht wie seit dem Fed-Treasury-Abkommen von 1951 nicht mehr, und die Sorge reiche über die USA hinaus. Sein Rezept: sich auf die gesetzlichen Kernziele konzentrieren und umstrittene Nebenziele meiden, dabei erfolgreich sein und klar kommunizieren. Bei fiskalischen Risiken sollten Notenbanken die Folgen untragbarer Schulden erklären, ohne den Gewählten vorzuschreiben, wie sie die Lücke schließen; bei Finanzstabilität sollten sie ihre eigene Einschätzung offen sagen, auch wenn sie von der der Regierung abweicht.
Zum Programm gehörten zudem eine Keynote von Markus Brunnermeier und ein Kamingespräch über Angebotsschocks mit Philip Jefferson (Fed), Philip R. Lane (EZB) und Ryozo Himino (BoJ).
Quelle: IMES Discussion Paper 2026-E-12 — https://www.imes.boj.or.jp/research/papers/english/26-E-12.pdf