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Nagel: Gold nähert sich 25 % der Weltreserven, Diversifizierung bleibt gewichtig

Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, hat in einer Keynote auf der Global Precious Metals Conference in Sorrent am 5. Oktober – von der BIZ am 7. Oktober veröffentlicht – dargelegt, wie Geopolitik Wachstum, Geldpolitik und die Rolle des Goldes in den Notenbankreserven verändert.

Zur Geldpolitik die bekannte Linie. Notenbanken könnten den ersten Preiseffekt eines Energieschocks nicht verhindern – „höhere Leitzinsen produzieren kein zusätzliches Öl oder Gas" –, müssten aber handeln, wenn der Schock anhält und auf Preise und Löhne übergreift. Nagel nannte die Projektionen der EZB-Stäbe mit durchschnittlich 3,0 % Inflation im Euroraum 2026, 2,5 % 2027 und 2,1 % 2028, Aufwärtsrisiken durch niedrige Gasspeicher und ausgefallene Raffineriekapazität, aber bislang keine klaren Zweitrundeneffekte. Die EZB hob die Zinsen im Juni und September um je 25 Basispunkte an, der Einlagensatz liegt bei 2,5 %; entschieden wird weiter von Sitzung zu Sitzung.

Warum Notenbanken Gold halten. Reserven sind eine Versicherung: Sie sichern Devisen in Stressphasen, stützen den Wechselkurs und stärken das Vertrauen. Verwalter wägen Liquidität, Sicherheit und Ertrag ab. Devisenreserven eignen sich besser für Interventionen und Liquidität; Gold zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht davon abhängt, dass ein Emittent oder Gegenüber zahlt – und streut damit das Risiko.

Nagel: Gold nähert sich 25 % der Weltreserven, Diversifizierung bleibt gewichtig
Nagel: Gold nähert sich 25 % der Weltreserven, Diversifizierung bleibt gewichtig — Rate Brief

Anker, Rückzug, Rückkehr. Nagel beschrieb drei Kapitel. Nach dem Krieg verankerte Gold das Währungssystem, in der Globalisierung sank sein Anteil an den Reserven. Nach der globalen Finanzkrise kehrten Notenbanken als Käufer zurück, allen voran die chinesische und die russische. Zwei Gründe nannte er: Niedrige Renditen auf Staatsanleihen, auch infolge von Ankaufprogrammen, senkten die Opportunitätskosten von Gold; und seit Ende der 2010er-Jahre die Geopolitik, darunter Finanzsanktionen. „Ausländische Wertpapiere und Einlagen können potenziell eingefroren werden. Im Inland gelagertes physisches Gold unterliegt nicht demselben Risiko."

Die Zahlen. Nach IMF-Daten zu Marktwerten stieg der Goldanteil an den weltweiten Reserven von 10 % 2009 auf etwa 14 % 2023. In Industrieländern blieb er bei rund 20 %, in Schwellen- und Entwicklungsländern stieg er von 3 auf 8 %. Von 2023 bis 2025 sprang der globale Anteil auf fast 25 % – vor allem wegen höherer Goldpreise: Zu Preisen von 2023 wäre er auf 12 % gesunken.

Wie es weitergeht. Höhere Anleiherenditen machen Schuldtitel wieder attraktiver, so Nagel, doch steigende Schuldenstände nähren Sorgen um deren Kreditrisiko, und geopolitische Risiken werden Reserveentscheidungen weiter prägen. Sein Fazit: Die Argumente für eine weitere Diversifizierung in Gold bleiben gewichtig. Zu den eigenen Goldbeständen der Bundesbank äußerte er sich in der Rede nicht.

Quelle: BIZ, Rede von Joachim Nagel, Sorrent, 5. Oktober 2026 — https://www.bis.org/speeches/20261007-shifting-ground-how-geopolitics-reshaping-growth-monetary-policy-and-role-gold-reserve-asset.pdf

Geschrieben von Victoria Shinder.