EZB zerlegt den Anstieg der US-Bewertungen im KI-Boom in Gewinne, Diskontsaetze und Risikopraemien
Ein Kasten im Wirtschaftsbericht der EZB, Ausgabe 6/2026, erstellt von Magdalena Grothe, Bruno Lopes Mendes, Ana-Simona Manu und Luca Tondo, untersucht, was die Bewertungen am US-Aktienmarkt durch das traegt, was die Autoren den KI-Boom nennen: die Phase schneller Innovation und wachsender Nutzung von KI-Technologien seit der oeffentlichen Freigabe von ChatGPT im November 2022.
Der analytische Rahmen ist ein Dividendenbarwertmodell, und die Autoren sagen ausdruecklich, dass es genau drei Kanaele laesst, ueber die Bewertungen steigen koennen: hoehere Gewinnerwartungen, niedrigere Diskontsaetze und niedrigere Risikopraemien. Anschliessend halten sie fest, dass in den Berichtssaisons dieses Jahres viele US-Unternehmen starke Ergebnisse vorlegten, das Gewinnwachstum der S&P-500-Unternehmen die frueheren Erwartungen erneut uebertraf und starke Gewinne in Erwartungen weiteren Wachstums eingeflossen sind.

Was das bedeutet
Der Wert eines solchen Kastens liegt in der Disziplin der Zerlegung, nicht in einer Schlussfolgerung. Nur drei Dinge koennen eine Bewertung heben, und sie bedeuten fuer einen Zinsdesk sehr Verschiedenes. Sind es Gewinnerwartungen, ist das eine Aussage ueber die Realwirtschaft, die entweder eintritt oder nicht. Sind es niedrigere Diskontsaetze, ist es eine Aussage ueber den Zinspfad, und sie loest sich auf, wenn dieser sich aendert. Sind es gestauchte Risikopraemien, ist es eine Aussage darueber, wie viel Entschaedigung Anleger dafuer verlangen, sich zu irren — und diese Komponente bewegt sich am schnellsten und mit der geringsten Vorwarnung.
Warum eine Zentralbank des Euroraums das veroeffentlicht, ist die zweite Frage, und die Antwort ist einfach. Bewertungen am US-Aktienmarkt sind eine Eingangsgroesse fuer die Finanzstabilitaet des Euroraums — uebertragen ueber Portfoliobestaende, ueber den Vermoegenseffekt bei europaeischen Anlegern und ueber den Dollar. Eine Neubewertung, die in einem der drei Kanaele entsteht, bleibt nicht in einem Markt.
Der ehrliche Vorbehalt steckt in der Methode selbst. Ein Dividendenbarwertmodell sagt, wie eine Bewegung unter seinen Annahmen zuzuordnen ist; es sagt nicht, welche Zuordnung stimmt. Mitzunehmen ist deshalb kein Urteil darueber, ob US-Aktien teuer sind, sondern die Liste der drei Groessen, die man beobachten muss — und das Wissen, dass nur eine davon ueberhaupt von KI handelt.