Stournaras: Anleihemärkte bewerten Griechenland näher an A als an BBB
Yannis Stournaras, Gouverneur der Bank of Greece, hat am 24. September in Athen dargelegt, wie weit sich die Wahrnehmung des griechischen Staatsrisikos an den Märkten verschoben hat – und wovon aus seiner Sicht ein weiteres Rating-Upgrade abhängt. Die BIZ veröffentlichte die Rede, gehalten beim Jahrestreffen der Ratingagentur Scope Ratings, am 7. Oktober.
Wo der Euroraum steht. Die Wirtschaft des Euroraums habe sich im Energieschock infolge des Nahost-Konflikts widerstandsfähig gezeigt: Das reale BIP wuchs im zweiten Quartal 2026 um 1,2 % zum Vorjahr, die Beschäftigung stieg weiter, gestützt von einem robusten Arbeitsmarkt, Auslandsnachfrage im Zuge des globalen KI-Booms und höheren Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Staaten des Euroraums mit schwächeren Haushalten oder größerer politischer Unsicherheit hätten stärker steigende Spreads erlebt. Die gesetzlich unabhängige Notenbank des Euroraums helfe, langfristige Renditen gegen Sorgen vor fiskalischer Dominanz abzuschirmen – während, so Stournaras, die Unabhängigkeit von Notenbanken in einigen Industrieländern außerhalb Europas in Frage gestellt werde.
Griechenlands Zahlen. Das reale BIP Griechenlands wuchs im zweiten Quartal um 1,9 % zum Vorjahr, mehr als im Euroraum. Vor der Rückkehr zum Investment Grade 2023 hatte die Bank of Greece geschätzt, das Upgrade werde den Abstand griechischer Anleihen zu deutschen Bundesanleihen um rund 70 Basispunkte verringern. Heute lägen die Spreads etwa 60 Basispunkte niedriger als am 4. August 2023, als Scope als erste vom Eurosystem anerkannte Agentur Griechenland Investment Grade gab. Seit Jahresbeginn hätten sich die griechischen Spreads trotz schwankender Anleihemärkte nur wenig ausgeweitet.

Was der Markt sagt. Die Bank of Greece hat Werkzeuge entwickelt, um das wahrgenommene Kreditrisiko aus den Kursen griechischer Anleihen abzulesen. Danach werde Griechenland näher an A-gerateten Staaten bewertet als an BBB-gerateten. Stournaras betonte, das sei keine Vorhersage von Ratingentscheidungen, sondern ein Hinweis, wie stark sich die Wahrnehmung verändert hat. Nach Forschung der Notenbank stehen die Ratings bisher im Einklang mit den Fundamentaldaten: anhaltende Haushaltsüberschüsse, sinkende Schuldenquote, geringeres politisches Risiko.
Schuldendynamik. Die Projektionen der Bank of Greece sehen das Zins-Wachstums-Differenzial mittelfristig günstig: Der implizite Zins auf die griechischen Schulden, einschließlich gestundeter Zinsen, soll unter dem nominalen BIP-Wachstum bleiben, was einen weiteren Rückgang der Schuldenquote stützt.
Was ein A-Rating braucht. Ein Single-A vor 2030 setze bessere Institutionen voraus. Er verwies auf die Justizreform: Die durchschnittliche Dauer bis zu einem erstinstanzlichen Urteil sank laut JustStat-Datenbank von 774 auf 357 Tage, und das Justizministerium erwartet, dass die Dauer bis zum rechtskräftigen Urteil bis 2027 den europäischen Durchschnitt erreicht.
Quelle: BIZ, Rede von Yannis Stournaras, Athen, 24. September 2026 — https://www.bis.org/speeches/20261007-european-project-role-rating-agencies-and-prospects-greek-economy