Schnabels vier Lehren: keine Selbstbindung, Inflationsaussichten, monetäre Dominanz
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sprach am 5. November auf der EZB-Konferenz zu Geldmärkten in Frankfurt und stellte, wie sie sagte, persönliche Überlegungen zum Ende ihrer Amtszeit vor. Sie beschrieb sieben Jahre, die die EZB von dauerhaft zu niedriger Inflation zu wiederkehrenden Inflationsschocks führten und von expansiver Politik zum schnellsten Straffungszyklus ihrer Geschichte.
Ihre erste Lehre lautet, Handlungsspielraum zu bewahren. Vor der Pandemie habe die EZB die Inflation chronisch überschätzt, danach immer wieder unterschätzt und den Regimewechsel spät erkannt. Zwei Merkmale seien in den Modellen zu kurz gekommen: eine steilere Phillips-Kurve, weil Firmen Preise häufiger änderten, und die Rolle steigender Stückgewinne, anders als in den 1970er-Jahren, als die Lohnstückkosten die Inflation trieben. Zudem sei aus der früheren Sparschwemme eine Anleiheschwemme geworden, die den neutralen Zins erhöhe. Die Forward Guidance der Pandemie sei zu odysseisch gewesen, und ein schwer umkehrbares Instrument wie große Anleihekäufe sei selbst eine Form der Selbstbindung; die Leitzinsen sollten Hauptinstrument bleiben, Instrumente zur Marktstabilisierung wie das Transmission Protection Instrument getrennt davon.
Die drei weiteren Lehren: Die Geldpolitik solle darauf reagieren, wie ein Schock die Inflationsaussichten verändert, nicht auf seine Art. Das Mandat der EZB hänge von fiskalischen und regulatorischen Rahmen ab, die monetäre Dominanz sichern, was ihr erlaubt habe, trotz Rezessions- und Stabilitätsrisiken kräftig zu straffen. Und die Geldpolitik solle mit einer Bilanz umgesetzt werden, die nicht größer als nötig ist, weil das Nebenwirkungen mindert, künftigen Spielraum erhält und die Geldmärkte belebt.

Was das bedeutet
Von einer der Architektinnen der Straffung klingt die Kritik an Forward Guidance und großen Bilanzen wie eine Anleitung für den nächsten Zyklus. Die Betonung umkehrbarer Instrumente signalisiert, dass die EZB weniger Versprechen und mehr Freiheit von Sitzung zu Sitzung will.