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Lane: zweite Energiewelle haelt die Inflation im Euroraum laenger hoch

Philip R. Lane, Mitglied des Direktoriums der EZB, gab Le Temps ein Interview, gefuehrt von Sébastien Ruche am 15. September 2026 und von der EZB am 22. September 2026 veroeffentlicht.

Sein Bild des Jahres verlaeuft in zwei Wellen. Eine erste Runde von Energiepreissteigerungen kam im Maerz und April, gefolgt von Optimismus, nachdem die Vereinigten Staaten und Iran am 17. Juni eine Absichtserklaerung zur Beendigung des Konflikts unterzeichnet hatten. Der Krieg ging weiter, und nun laeuft eine zweite Welle — nicht nur bei Oel, sondern auch bei Gas. Deshalb, so Lane, habe die EZB am 10. September angezeigt, dass sie den Energieschock laenger erwartet als im Maerz unterstellt. Die Maerkte hatten den Hoehepunkt um Juni erwartet und danach eine Erholung.

Die Folgerung ist ausdruecklich: Die Inflation duerfte laenger hoeher bleiben, bevor sie ab Mitte 2027 Richtung Ziel zurueckgeht. Zur Weitergabe berichtet er fuer die Zeit zwischen Februar und dem Interview keine Effekte auf andere Gueter oder Dienstleistungen — das sei die gute Nachricht — erwartet aber kuenftig Aufwaertsdruck bei Nahrungsmitteln, bei Energie im weiteren Sinne einschliesslich Strom und bei Guetern allgemein, waehrend der Druck bei Dienstleistungen begrenzt bleibe.

Zur Konjunktur lautet die Basislinie stetiges, aber maessiges Wachstum, sofern sich der Energieschock nicht verschaerft, gestuetzt durch Staatsausgaben — er nennt das deutsche Infrastruktur- und Verteidigungspaket sowie Next Generation EU — und durch europaeische Firmen im KI-Bereich, auch wenn Europa nicht im Zentrum steht. Zum Fiskalrisiko sagt er, Deutschland habe den fiskalischen Spielraum, NGEU sei spezifische europaeische Finanzierung ohne dieselbe Sorge um Schuldentragfaehigkeit, und der Schub aus den Ausgaben laufe mit der Zeit aus.

Lane: zweite Energiewelle haelt die Inflation im Euroraum laenger hoch
Lane: zweite Energiewelle haelt die Inflation im Euroraum laenger hoch — Rate Brief

Was das bedeutet

Festzuhalten ist der Prognosehorizont. Die Rueckkehr Richtung Ziel ab Mitte 2027 legt die Konvergenz rund anderthalb Jahre in die Zukunft und macht die Projektion abhaengig von einer Terminkurve fuer Oel und Gas, die laut Lane auf eine gewisse Entspannung noch in diesem Jahr deutet — eine Basislinie, die er ausdruecklich mit Unsicherheit umgibt, da die EZB keine politikwissenschaftliche Expertise beanspruche.

Operativ am nuetzlichsten ist die Aussage zur Weitergabe. Bislang keine Zweitrundeneffekte, aber erwarteter Aufwaertsdruck bei Guetern bei begrenztem Druck bei Dienstleistungen — das beschreibt einen Schock, den die Notenbank weiterhin als relativen Preiseffekt und nicht als verallgemeinerte Inflation behandelt. Diese Unterscheidung, nicht die Schlagzeilenrate, entscheidet darueber, ob eine zweite Welle eine Reaktion verlangt oder ob man hindurchschaut.