Lagarde: 4 % Inflation vor allem Energie, keine Zweitrundeneffekte, keine Zusage für Dezember
Die EZB hat am 7. November ein Interview veröffentlicht, das Präsidentin Christine Lagarde am 4. November Hironari Akiyama von der Zeitung Yomiuri Shimbun gab. Der geldpolitische Teil drehte sich vor allem darum, warum die Gesamtinflation im Oktober 4 Prozent erreichte, mehr als die EZB noch vor einigen Monaten erwartet hatte, aber im Rahmen der Markterwartungen.
Lagarde führte das überwiegend auf Energie zurück. Die Energieinflation stieg im Oktober auf 20,8 Prozent nach 18,9 Prozent im September, was sie mit dem Konflikt im Nahen Osten und geringerer weltweiter Raffineriekapazität begründete; auch die Lebensmittelinflation nahm zu. Die zugrunde liegenden Maße seien stabil: Die Kerninflation ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak blieb bei 2,5 Prozent, die Dienstleistungsinflation stieg leicht auf 3,3 Prozent und bleibt im Bereich der vergangenen vier Monate. Sie warnte, die Inflation werde in den kommenden Quartalen hoch bleiben, und je höher und länger, desto größer das Risiko für das mittelfristige Ziel.
Zweitrundeneffekte über das in den Projektionen Berücksichtigte hinaus sehe die EZB nicht, gestützt auf mehrjährige Tarifabschlüsse und die Lohnerwartungen der Unternehmen. Der Dezember-Prognose wollte sie nicht vorgreifen, verwies aber darauf, dass Energie-Terminkurven und Langfristzinsen höher liegen als bei den September-Projektionen, auch wenn die Ölpreise zuletzt nachgaben. Zum Dezember selbst wiederholte sie, Entscheidungen fielen von Sitzung zu Sitzung, und nach heutigem Stand bräuchte es erhebliche Veränderungen, damit die Richtung von ihrer Erwartung abweicht.
Mit Blick auf 2021 sagte Lagarde, Zentralbanken wie Fed, Bank of England, Bank of Japan und EZB hätten den Energieschock damals alle für vorübergehend gehalten, was falsch war, weil zugleich die Nachfrage anzog. Zu Frankreich sagte sie, die Langfristrenditen seien weltweit gestiegen, wegen geopolitisch getriebener Inflation, höherer Staatsemissionen und des Wettbewerbs um Finanzierung zwischen Staaten und KI-Unternehmen; hoch verschuldete Mitgliedstaaten reagierten darauf empfindlicher.

Was das bedeutet
Die Botschaft lautet: Die EZB liest die 4 Prozent vom Oktober als Energieschock mit stabilem Kern, hat aber gelernt, solche Schocks nicht einfach durchzuwinken. Lohndaten und die Dezember-Projektionen entscheiden, ob diese Lesart hält.