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EZB-Studie: Hohe CBDC-Haltelimits ziehen Bestände an, ein Reverse Waterfall senkt sie

Ein neues Working Paper der EZB (Nr. 3300, Oktober 2026) mit dem Titel „When less is more: behavioral effects of CBDC holding limits“ untersucht, wie Menschen auf eine Obergrenze für das Halten von digitalem Zentralbankgeld reagieren. Die Autoren sind Thomas Garcia, Claudia Lambert, Cosimo Pancaro, Claire Rimbaud und Alice Soldà; wie bei allen Papieren der Reihe geben sie ihre eigene Sicht wieder, nicht unbedingt die der EZB.

Warum das für den Euro zählt. Die meisten CBDC-Projekte, auch der digitale Euro, sehen ein Haltelimit vor, um Bankeinlagen und Finanzstabilität zu schützen. Mechanisch verhindert ein Limit nur, dass jemand einen Höchstbetrag überschreitet. Es kann aber auch das Verhalten verändern, und zwar in vorab unklarer Richtung: Manche empfinden es als Einschränkung ihrer Wahlfreiheit und nutzen die CBDC weniger, für andere wird das Limit zum Bezugspunkt, der die Bestände anzieht.

Das Experiment. 761 Teilnehmer aus Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien verteilten Token auf zwei Zahlungsmittel und trafen dann auf automatisierte Verkäufer; Geld verdienten sie, wenn sie das vom Verkäufer verlangte Mittel hielten. Eines war verzinst, wurde aber nicht immer angenommen; das andere war unverzinst, wurde immer angenommen und konnte einem Limit unterliegen – eine stilisierte Fassung von Bankkarte mit Einlagenkonto gegenüber CBDC. Die Forscher variierten, ob es ein Limit gab und wie hoch es war, um den mechanischen Effekt von Verhaltensreaktionen zu trennen, und testeten einen Reverse Waterfall: die automatische Umbuchung vom Bankkonto in das begrenzte Mittel, wenn eine Zahlung mehr verlangt, als gehalten wird.

EZB-Studie: Hohe CBDC-Haltelimits ziehen Bestände an, ein Reverse Waterfall senkt sie
EZB-Studie: Hohe CBDC-Haltelimits ziehen Bestände an, ein Reverse Waterfall senkt sie — Rate Brief

Die Ergebnisse.

  • Teilnehmer, deren Bestände ohnehin unter dem Limit lagen – die also nichts hätten ändern müssen –, erhöhten ihre Bestände im Schnitt, sobald ein Limit eingeführt wurde; die Autoren sprechen von einem Anziehungseffekt.
  • Dieser Anstieg zeigt sich nur beim höheren Limit. Beim niedrigeren Limit hoben sich Anziehung und Ablehnung der Einschränkung auf, die Durchschnittsbestände blieben gleich; beim höheren Limit wurde der Ankereffekt stärker und die Abneigung schwächer.
  • Ein Reverse Waterfall erhöhte sowohl die Nutzung des begrenzten Mittels als auch senkte er die darin gehaltenen Beträge.

Das Fazit der Autoren. Die Kombination aus Haltelimit und automatischer Aufladung kann die Nutzung einer CBDC als Zahlungsmittel fördern und zugleich die Bestände begrenzen – und damit mögliche Risiken für die Finanzstabilität mindern. Das Papier versteht sich als erster Beleg für diese Kombination.

Der politische Rahmen. Der digitale Euro wird nach diesem Muster geplant. In einer Rede am 6. Oktober sagte EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone, Guthaben in digitalen Euro würden nicht verzinst und begrenzt, Nutzer könnten sie mit einem Bankkonto samt Waterfall und möglichem Reverse Waterfall verknüpfen, und „Verhaltensforschung legt nahe“, dass dieser Ansatz die Nutzung erhöhen und die einzelnen Bestände senken könnte. Die Höhe des Limits steht noch nicht fest.

Quelle: EZB Working Paper Nr. 3300 — https://www.ecb.europa.eu//pub/pdf/scpwps/ecb.wp3300~0277bae3af.en.pdf ; Rede Cipollone: https://www.bis.org/speeches/20261013-money-digital-age-digital-euro-tokenisation-and-role-central-banks