EZB belässt Einlagensatz bei 2,50 %, der Energieschock wächst
Die Europäische Zentralbank hat ihre drei Leitzinsen am 29. Oktober unverändert gelassen. Der Einlagensatz bleibt bei 2,50 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 %.
Im Mittelpunkt der Erklärung des EZB-Rats steht der Energieschock. Die Energiepreise sind weiter gestiegen, was laut Rat Aufwärtsrisiken für die Inflationsaussichten und Abwärtsrisiken für das Wachstum mit sich bringt. Bisher ist die zugrunde liegende Inflation weitgehend stabil geblieben, und die Löhne zeigen keine wesentliche Reaktion; doch Größe und Dauer des Schocks sowie indirekte und Zweitrundeneffekte dürften die Inflation nach oben und das Wachstum nach unten treiben. Zudem hätten sich die Finanzierungsbedingungen seit der vorigen Sitzung verschärft, was Inflation und Wachstum voraussichtlich dämpft.
Die EZB bekräftigte, dass sie von Sitzung zu Sitzung anhand der eingehenden Daten, der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission entscheidet und sich nicht auf einen Zinspfad festlegt. Die Bestände aus dem Programm zum Ankauf von Vermögenswerten und dem Pandemie-Notfallprogramm schrumpfen weiter, da fällige Papiere nicht ersetzt werden. Der Rat sei bereit, alle Instrumente anzupassen, und das Transmission Protection Instrument stehe gegen ungeordnete Marktentwicklungen bereit.
Am selben Tag teilte Präsidentin Christine Lagarde dem EZB-Rat mit, dass sie am 7. Februar 2027 zurücktreten wird.

Was das bedeutet
Die Erklärung beschreibt zwei Kräfte, die in entgegengesetzte Richtungen ziehen, ohne zu sagen, welche sich durchsetzt: einen größer werdenden Energieschock und eine straffere Finanzierung, die einen Teil der Arbeit der Notenbank übernimmt. Abzuwarten, während beide wirken, hält alle Optionen offen. Die Formulierung zu Zweitrundeneffekten ist im Dezember zu beobachten, wenn neue Projektionen zeigen, ob der Rat eine beginnende Lohnreaktion sieht.