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Lane: KI-Kredite machen ein Viertel des jüngsten Firmenkreditwachstums aus

Philip R. Lane, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, hat am 13. Oktober 2026 in Dublin dargelegt, warum die EZB künstliche Intelligenz genau beobachtet. Seine Tischrede auf dem International AI Summit verbindet Umfragezahlen zur Nutzung mit zwei Argumenten, die Geldpolitik und Finanzstabilität direkt berühren.

KI steckt bereits in den Konjunkturdaten. Laut Lane wollen Unternehmen in diesem Jahr rund 10 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen in KI stecken, digitale Dienste wachsen, und europäische Zulieferer von Komponenten und Investitionsgütern für die KI-Lieferkette erleben starke weltweite Nachfrage. Auf KI bezogene Kredite machen etwa ein Viertel des jüngsten Kreditwachstums an Unternehmen aus. In der EZB-Unternehmensumfrage für das vierte Quartal 2025 gaben 64 Prozent der Firmen an, KI versuchsweise oder in mäßigem Umfang zu nutzen, 7 Prozent sprachen von erheblicher Nutzung; in der Haushaltsumfrage der EZB nutzen 52 Prozent der Beschäftigten KI bei der Arbeit, nach 26 Prozent im Jahr 2024. Für einen spürbaren Effekt auf die gesamtwirtschaftliche Produktivität sei es noch zu früh, so Lane; die Einstellungspläne seien gedämpft, was besonders Hochschulabsolventen treffe.

Europas Boom ist kleiner. In den vergangenen zwei Jahren seien die Digitalinvestitionen in den USA doppelt so schnell gewachsen wie im Euroraum, und US-Beschäftigte nutzten KI zwei- bis dreimal so viel ihrer Arbeitswoche wie Beschäftigte in den größten Volkswirtschaften des Euroraums. Unter Berufung auf den Stanford AI Index nannte Lane 59 und 35 bedeutende KI-Modelle aus den USA und China, je eines aus Frankreich und Großbritannien; die USA beherbergten 75 Prozent der weltweiten KI-Rechenkapazität, Europa 5 Prozent.

Lane: KI-Kredite machen ein Viertel des jüngsten Firmenkreditwachstums aus
Lane: KI-Kredite machen ein Viertel des jüngsten Firmenkreditwachstums aus — Rate Brief

Der geldpolitische Kanal. Zentral für die EZB ist der dritte seiner fünf Gründe: Der globale KI-Investitionsboom und die Erwartung künftiger Produktivitätsgewinne trügen „plausibly“ zum weltweiten Anstieg der langfristigen Zinsen bei. Weil der europäische Boom nicht von derselben Größenordnung sei, bedeute das Übergreifen auf die Anleihemärkte des Euroraums eine spürbare Straffung der Finanzierungsbedingungen – „a relevant factor for the ECB in determining the appropriate monetary policy stance“.

Der Stabilitätskanal. Hohe Aktienbewertungen von KI-Firmen und die weltweit stark gestiegene KI-bezogene Verschuldung bergen makroökonomische und Finanzstabilitätsrisiken, falls sich der erwartete KI-Fortschritt auch nur vorübergehend umkehrt oder die Stimmung der Anleger dreht. Die Finanzstabilitäts- und Aufsichtsbereiche der EZB beobachten diese Risiken, ebenso die damit verbundenen Cyberrisiken.

Zum Schluss betonte Lane, dass die Gesamtwirkung von KI von vielen Sektoren und einem längeren Wandel abhängt und die EZB diesen mit Preis- und Finanzstabilität absichern will.

Quelle: EZB, Philip R. Lane, „The AI opportunity for Europe“, Tischrede beim International AI Summit, Dublin, 13. Oktober 2026 — https://www.ecb.europa.eu//press/key/date/2026/html/ecb.sp261013~9db9bf4fd6.en.html

Geschrieben von Victoria Shinder.