EZB: Mehr Zuwanderung, weniger Geburten - 358 Millionen im Euroraum 2050
Ein Kasten im jüngsten Wirtschaftsbericht der Europäischen Zentralbank, veröffentlicht am
- September, zeigt, was die neuesten Bevölkerungsprojektionen von Eurostat für den Euroraum bedeuten. Laut EUROPOP 2025, erschienen im April, steigt die Bevölkerung bis 2037 auf einen Höchststand von 361,4 Millionen und nimmt danach ab, auf 358 Millionen im Jahr 2050 - so viele wie 2025, aber mit einer ganz anderen Altersstruktur.
Zwei Korrekturen ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Die Nettozuwanderung lag von 2022 bis 2024 deutlich über den früheren Annahmen, wegen stärkerer Arbeitsmigration und eines länger dauernden Kriegs in der Ukraine; die durchschnittliche Nettozuwanderung für 2022 bis 2050 wurde daher von 1,2 auf rund 1,4 Millionen pro Jahr angehoben. Auf Spanien entfällt mehr als die Hälfte dieser Korrektur, und das Land soll ein Drittel der Nettozuwanderung des Euroraums aufnehmen; 77 Prozent der Zuwanderer sollen im erwerbsfähigen Alter sein. Die Geburtenrate wurde dagegen stark gesenkt: Sie lag 2024 bei 1,33 Kindern pro Frau und soll bis 2026 weiter fallen. Die Autoren sprechen von der größten Korrektur seit der ersten EUROPOP-Projektion 2008 - so groß wie alle früheren zusammen - und beziffern sie auf 5,7 Millionen Kinder weniger als in der Projektion von 2023. Bis 2050 heben sich beide Effekte auf.
In der Altersstruktur zeigt sich die Veränderung. Der Altenquotient - Menschen ab 65 im Verhältnis zu den 15- bis 64-Jährigen - steigt von 35 Prozent 2025 auf 51 Prozent 2050 und 62 Prozent 2100: von knapp drei Erwerbsfähigen pro älterem Menschen heute auf etwa zwei im Jahr 2050. Für 2100 wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter auf 175 Millionen projiziert, gegenüber 228 Millionen heute, und Spanien soll dann mehr Einwohner haben als Italien.

Was das bedeutet
Für die Geldpolitik wirkt Demografie langsam, aber unerbittlich - über Potenzialwachstum, Sparen und den neutralen Zins. Die EZB-Autoren ziehen die fiskalische Schlussfolgerung: Stärkere Zuwanderung entlastet die Rentensysteme bis etwa 2050, ist aber die unsicherere der beiden Kräfte, denn Ströme können sich umkehren; die niedrige Geburtenrate ist strukturell. Der Kasten warnt ausdrücklich davor, dass die besseren kurzfristigen Zahlen zu Nachlässigkeit bei Rentenreformen führen, und merkt an, dass eine höhere Erwerbsbeteiligung die Last einer kleineren Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter mildern könnte.