EZB-Blog: KI-intensive Firmen finanzieren sich über Anleihen, Zinserhöhungen wirken schwächer
Ein am 6. Oktober veröffentlichter Beitrag im EZB-Blog untersucht, wie Unternehmen im Euroraum ihre Investitionen in künstliche Intelligenz finanzieren und was das für die Geldpolitik bedeutet.
Die Daten. Die Autoren ordneten Sektoren im Euroraum nach KI-Nutzung, gestützt auf Umfragedaten, und nach KI-Entwicklung, gestützt auf KI-Patente. Zwischen 2023 und 2025 hat sich der Anteil der Unternehmen im Euroraum, die mindestens eine Form von KI nutzen, mehr als verdoppelt. Manche Sektoren wie Medien, Telekommunikation und IT-Dienstleistungen nutzen und entwickeln KI, andere wie Rechts- und Steuerberatung nutzen vor allem fremd entwickelte.

Wie sie es finanzieren.
- Unternehmen der KI-intensivsten Sektoren, vor allem Entwickler, sind geringer verschuldet als andere und stützen sich stärker auf Eigenkapital.
- KI-intensive Firmen sind häufig börsennotiert oder durch Private Equity wie Wagniskapital finanziert.
- KI-Investitionen fließen großteils in immaterielle Werte – Software, Daten, Algorithmen, Know-how –, die sich schwerer als Kreditsicherheit verwenden lassen.
- Wenn sie Fremdkapital aufnehmen, greifen sie zuletzt stärker zu marktbasierten Instrumenten wie Schuldverschreibungen statt zu Bankkrediten, besonders starke KI-Nutzer.
Zwei Folgen für die Geldpolitik laut Beitrag. Schuldverschreibungen haben meist längere Laufzeiten; die Finanzierung dieser Firmen reagiert daher weniger auf Zinserhöhungen und stärker auf das lange Ende der Zinskurve. Und weil sie insgesamt weniger auf Schulden angewiesen sind, reagieren ihre Investitionen bei steigenden Zinsen womöglich schwächer über den Cashflow-Kanal.
Der Abstand zu den USA. Die KI-Patentaktivität im Euroraum ist im vergangenen Jahrzehnt gewachsen, liegt aber hinter den USA. Im Modell der Autoren reagieren Investitionen auf positive KI-Nachrichten in den USA stärker als im Euroraum; sie führen das auf leichteren Zugang zu Wagniskapital, tiefere Aktienmärkte und einen größeren einheitlichen Markt zurück. Zudem legten Anleger aus dem Euroraum zunehmend Geld in US-Technologieaktien an und weniger in europäische Tech-Firmen. Ihr Fazit: Eine vollendete Kapitalmarktunion würde KI-intensiven Unternehmen in jeder Wachstumsphase die Finanzierung erleichtern.
Die Ansichten sind die der Autoren und nicht notwendigerweise die der EZB.