Serbien hält Leitzins bei 5,75 %, erwartet ab September rund 4 % Inflation
Das Direktorium der Nationalbank Serbiens (NBS) hat am 8. Oktober den Leitzins bei 5,75 % belassen, ebenso den Einlagesatz bei 4,5 % und den Spitzenrefinanzierungssatz bei 7,0 %. Der Leitzins blieb in diesem Jahr bei jeder Sitzung unverändert.
Inflation. Die Jahresinflation stieg im August auf 2,2 % von 1,9 % im Juli, was die NBS vor allem dem anhaltenden Energieschock und höheren Ölpreisen zuschreibt. Wichtiger ist, was folgt: Ein niedriger Basiseffekt aus der Margendeckelung im Handel per Dekret im Vorjahr lässt das Direktorium erwarten, dass die Inflation ab September um 4 % schwankt. Die Projektion vom August sieht die Inflation in den nächsten zwei Jahren weiter im Toleranzband, doch das Direktorium sieht die Risiken nun nach oben gerichtet — wegen des langen Energieschocks und schneller als erwartet steigender Preise anderer Rohstoffe.
Die Energielage. Laut Mitteilung haben die Ölpreise im Sommer „ihren Aufwärtstrend wieder aufgenommen“, Gas und Strom wurden ebenfalls teurer. Bisher haben gesenkte Verbrauchsteuern auf Mineralölprodukte und der Einsatz von Energiereserven die Wirkung auf die heimischen Kraftstoffpreise gedämpft. Hält der Nahostkonflikt an oder verschärfen sich die Spannungen, könnten sich die Effekte laut NBS auf Produktions- und Transportkosten, Lieferketten, Kapitalflüsse und Inflation ausweiten — ein besonderes Risiko für eine „kleine, offene und stark von Energieimporten abhängige Volkswirtschaft“.

Wachstum. Die Wirtschaftsleistung lag im ersten Halbjahr 3,5 % über dem Vorjahr, getragen von Dienstleistungen und privatem Konsum; im Sommer bremsten Dürre und niedrige Wasserstände die Industrie. Das Direktorium erwartet mindestens 3,2 % Wachstum in diesem Jahr und rund 4,5 % im nächsten, getrieben von der Inlandsnachfrage und Infrastrukturprojekten.
Die Reaktionsfunktion. Die NBS beschreibt ihren Kurs als vorsichtig, bei relativer Wechselkursstabilität. Entscheidungen folgen den Daten, und „wenn der Anstieg der globalen Ölpreise über die Inflationserwartungen stärkere Zweitrundeneffekte auf andere Preise hat, wird die NBS mit allen verfügbaren Instrumenten reagieren“. Das ist eine bedingte Straffungsneigung: Auslöser ist nicht das Erreichen von 4 % Gesamtinflation, das das Direktorium ohnehin erwartet, sondern Belege für deren Ausbreitung. Die nächsten Sitzungen sind am 12. November und 10. Dezember.
Quelle: Nationalbank Serbiens, „Key policy rate kept unchanged“, 8. Oktober 2026 — https://www.nbs.rs/en/scripts/showcontent/index.html?id=21768&konverzija=yes