RBI-Gouverneur Malhotra nennt fünf globale Risiken, von KI-Bewertungen bis Private Credit
Sanjay Malhotra, Gouverneur der Reserve Bank of India, hat eine Rede auf dem Fünften Kautilya Economic Conclave am 3. Oktober der Finanzstabilität gewidmet. Er spreche nicht, weil die RBI Anzeichen akuter Spannungen sehe, sondern weil lange Phasen der Stabilität Risikofreude und Verschuldung fördern könnten, während die Erinnerung an frühere Krisen verblasse – ein Gedanke, den er mit Hyman Minsky verband. Indiens Erfahrung zeige, dass sich Bankenstress schnell aufbaue und Jahre zur Bewältigung brauche: Die Bereinigung der faulen Kredite aus den frühen 2000er-Jahren habe fast ein Jahrzehnt gedauert.
Fünf globale Risiken. Das Finanzsystem habe den Angebotsschock durch den Konflikt in Westasien gut verkraftet, sagte Malhotra, doch der Konflikt habe Inflationsdruck und Verwundbarkeiten verstärkt. Er nannte:
- hohe globale Verschuldung mit kürzeren Laufzeiten und deutlich gestiegenen Staatsanleiherenditen, was finanzielle Spielräume verengen und Kapital aus Schwellenländern mit hohem Auslandsbesitz an Staatsanleihen abziehen könnte;
- überzogene Bewertungen, besonders bei KI, wo eine Abschwächung der KI-Investitionen oder -Gewinne eine scharfe Neubewertung auslösen könnte;
- hohen Hebel bei Hedgefonds, Optionsverkäufern, börsengehandelten Fonds und anderen Nichtbanken, die zunehmend mit Banken verflochten sind;
- Private Credit, wo einige aufsehenerregende Ausfälle auf laxe Kreditstandards hindeuteten;
- Cyberrisiken, verstärkt durch KI. Einzeln sei keines davon derzeit besorgniserregend, ihr gleichzeitiges Eintreten könne das globale Finanzsystem aber erheblich unter Druck setzen.
Indiens Lage. Das indische Finanzsystem nannte er sehr widerstandsfähig. In den Stresstests des Finanzstabilitätsberichts vom Juni 2026 sei die aggregierte harte Kernkapitalquote der Banken in allen ungünstigen Szenarien komfortabel geblieben, und die Nichtbank-Finanzunternehmen hätten Ende März im Schnitt eine Kapitalquote von 24,6 Prozent gehabt, bei einer Pflicht von 15 Prozent. Private Credit sei in Indien noch klein und werde nicht als Risiko eingestuft. Die Renditen indischer Staatsanleihen seien nur teilweise mit den höheren globalen Energiepreisen und Renditen gestiegen, und Aktien hätten sich geordnet von hohen Bewertungen korrigiert. Als Maßnahmen gegen Energieschocks nannte er unter anderem breiter gestreute Importquellen und strategische Ölreserven.
Wie die RBI arbeitet. Das RBI-Gesetz schreibe Finanzstabilität nicht ausdrücklich vor, sie ergebe sich aber aus den Aufgaben der Bank. Die RBI folge dem Trennungsprinzip: Für Finanzstabilität nutze sie Regulierung und makroprudenzielle Instrumente statt Zinsen, behalte die Stabilität in der Geldpolitik aber im Blick. Zum Schluss nannte er fünf Prioritäten, darunter bessere und feinere Daten zu Nichtbanken und grenzüberschreitenden Positionen, und warnte, die nächste Krise beginne vielleicht nicht in einer Bank und nicht einmal im Finanzsektor.

Was das bedeutet
Die Rede ist eine Lagebeurteilung, keine Kursänderung. Ihre Liste globaler Risiken deckt sich mit dem, was andere Zentralbanken in den vergangenen Wochen gesagt haben; nützlich sind daher Indiens eigene Zahlen: ein Kapitalpuffer der Nichtbanken weit über dem Minimum und ein Private-Credit-Markt, der noch zu klein ist, um ins Gewicht zu fallen – vorgetragen von einem Gouverneur, der trotzdem vor Selbstzufriedenheit warnt.