RBI-Vizechefin Gupta nennt den Rupienverfall von 13 % eine Überreaktion
Poonam Gupta, stellvertretende Gouverneurin der Reserve Bank of India, hat argumentiert, dass der Kursverfall der Rupie in den vergangenen anderthalb Jahren nicht durch Indiens wirtschaftliche Grundlagen gedeckt sei. Die Rede hielt sie am 23. September auf der Bank- und Wirtschaftskonferenz der State Bank of India in Mumbai; die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich veröffentlichte sie am 30. September.
Die genannten Zahlen. Indien hat üblicherweise ein kleines Leistungsbilanzdefizit, das Dienstleistungsexporte und Überweisungen unter 1 % des BIP halten, und einen größeren Überschuss in der Kapitalbilanz. Die jüngsten Öl- und Goldpreisschocks haben das Leistungsbilanzdefizit vorübergehend erhöht, und seit zwei Jahren reichen die Kapitalzuflüsse nicht aus, um es zu decken. Die Zahlungsbilanz insgesamt wies daher 2024/25 ein Defizit von rund 5,0 Mrd. Dollar und 2025/26 von 23,6 Mrd. Dollar aus. Im selben Zeitraum verlor die Rupie laut Gupta vom 31. März 2025 bis zum 17. September 2026 13,0 % an Wert. Das Wachstum lag 2025/26 bei 7,8 % und wird für das erste Quartal 2026/27 ebenfalls auf 7,8 % geschätzt. Unter Berufung auf den IWF sagte sie, die Bruttostaatsschuld werde von 83,4 % des BIP 2026 auf 77,7 % 2031 sinken.
Ihre Lesart. Das Leistungsbilanzdefizit dürfte nach Guptas Worten weiter schrumpfen, weil Warenexporte von neuen Freihandelsabkommen profitieren und die Abhängigkeit vom Öl abnimmt; die Kapitalbilanz dürfte sich verbessern, plausibel ab dem späteren Verlauf dieses Haushaltsjahres. Als Gründe nannte sie unter anderem hohe Bewertungen anderswo, eine Sättigung der KI-Begeisterung an anderen Märkten, starke inländische Grundlagen und künftig die Aufnahme indischer Anleihen in weitere globale Indizes. Die im Juni eingeführten besonderen Maßnahmen für Kapitalzuflüsse hätten in diesem Jahr einen nennenswerten Überschuss der Zahlungsbilanz gebracht.
Auf dieser Grundlage bezeichnete sie die kumulierte Abwertung der Rupie als mögliche „Überreaktion“ und vorübergehendes Phänomen. Da die RBI geordnete Verhältnisse am Devisenmarkt sichern wolle und nach ihren Worten über genug Mittel verfüge, um Defizite von Jahrzehnten zu decken, erschienen die aktuellen Marktbewegungen nicht gut begründet; es gebe gute Argumente, dass sich die Rupie stabilisiere oder sogar aufwerte.
Den Anleihemarkt, der sich gut entwickelt habe, stellte sie den Aktien gegenüber, die zurückgeblieben seien, weil Anleger KI-Geschichten in anderen Volkswirtschaften folgten.

Was das bedeutet
Das ist die Einschätzung einer Notenbankerin, keine geldpolitische Entscheidung, und es gehört zur Aufgabe der RBI, für geordnete Märkte zu argumentieren. Was die Rede liefert, sind die offiziellen Zahlen hinter dieser Sicht – die Größe des Zahlungsbilanzdefizits und der Abwertung – und ein klares Signal, dass die RBI das aktuelle Niveau für nicht fundamental gerechtfertigt hält. Ob die Märkte das teilen, kann die Rede nicht entscheiden.