Kganyago: Zinsen bei 5,3 % des BIP sind keine fiskalische Dominanz; SARB will 3 % bis Ende 2027
Der Gouverneur der South African Reserve Bank (SARB), Lesetja Kganyago, hat in einer Rede vor dem Forum on Africa and Geopolitics des Mapungubwe Institute for Strategic Reflection – auf der Website der SARB mit dem 28. September 2026 datiert – beschrieben, was er eine „neue globale Unordnung“ nennt, und dargelegt, warum Südafrika dafür besser aufgestellt sei, als seine Wachstumsbilanz vermuten lässt. Die Rede ist zweieinhalb Wochen alt; sie wird hier als Einordnung der SARB-Sicht besprochen, nicht als Tagesnachricht.
Fünf Gefahren. Kganyago gliederte die Rede nach Klimawandel, globalen Ungleichgewichten, künstlicher Intelligenz, Verschuldung und fiskalischer Dominanz. Aus Sicht einer Notenbank, sagte er, steuere die Welt auf mehr Angebotsschocks zu, die Inflationsschübe auslösen; er verwies auf Ölpreise um 100 Dollar je Barrel bei wenigen Tankern, die die Straße von Hormus passieren, und auf Rekordmargen bei Treibstoffen. Große Handelsungleichgewichte lösten sich oft chaotisch auf, die nächste Finanzkrise könnte nach Ansicht von Fachleuten von einem Cyberangriff ausgehen, und die langfristigen Zinsen in den meisten Industrieländern hätten mehrjährige Höchststände erreicht, weil die „Convenience Yields“ ihrer Staatsanleihen schwinden und Reservemanager in Gold, Euro und andere Währungen diversifizieren.
Zur fiskalischen Dominanz. Die südafrikanische Staatsschuld habe sich seit der globalen Finanzkrise etwa verdreifacht, die Zinsen verschlängen inzwischen rund 5,3 % des BIP – gegenüber 4 % in den USA, 2,8 % in Großbritannien und 2,1 % in Frankreich. Aus der Sicht eines Notenbankers in einem Schwellenland müssten solche Lasten keine fiskalische Dominanz auslösen; sie zeigten vielmehr, dass Notenbanken Unabhängigkeit und Mut bräuchten. Er zitierte die Warnung von IWF-Chefin Kristalina Georgieva vor „geldpolitischen Cowboys, die dem Fiskus zur Rettung eilen“.

Zur Geldpolitik in Südafrika. Die Inflation liege seit etwa sechs Monaten über dem Ziel, getrieben vom Energieschock des Krieges, sagte Kganyago – in den USA sei das Ziel seit 67 Monaten verfehlt. Die Strategie der SARB sei, die Politik so straff zu halten, dass ein vorübergehender Schock nicht zu dauerhaft höherer Inflation wird; sie habe den Leitzins angehoben, damit die Inflation zu 3 % zurückkehrt, was sie derzeit etwa zum Ende des kommenden Jahres erwartet. Zudem wachse die Überzeugung, dass die Schuldenquote ihren Höhepunkt überschritten habe.
Märkte. Bessere makroökonomische Aussichten hätten Südafrika vor der globalen Neubewertung von Anleihen 2026 geschützt: Am langen Ende lägen die Renditen stabil bei rund 9 %, etwa auf dem Stand von Ende 2025, während die 30-jährige US-Rendite so hoch sei wie seit 2007 nicht mehr und die japanische wie seit 1996 nicht mehr. Der Rand halte sich bei ungewöhnlich geringer Volatilität.
Die Schwachstelle. Das Wachstum lag im vergangenen Jahrzehnt bei durchschnittlich etwa 0,6 % pro Jahr; das Potenzialwachstum schätzt die SARB inzwischen etwa doppelt so hoch, aber immer noch niedrig. Strom sei inzwischen verlässlich verfügbar, koste aber etwa das Doppelte von 2020. Sein Fazit: Die Welt sei gefährlicher und schlechter regiert, und wenn Südafrika seine verbesserte Ausgangslage nicht nutze, „werden wir kaum viel Hilfe von außen bekommen“.
Quelle: South African Reserve Bank, „Policy challenges of the new global disorder“ — https://www.resbank.co.za/en/home/publications/publication-detail-pages/speeches/speeches-by-governors/2026/kganyago-policy-challenges