CNB-Vize Frait: Konsens zur fiskalischen Dominanz überzeugt so wenig wie low for long
Jan Frait, Vizegouverneur der Tschechischen Nationalbank, eröffnete am 6. Oktober 2026 in Prag deren Konferenz „New challenges in central banking“ zum hundertsten Jahrestag der Aufnahme der Tätigkeit der Nationalbank der Tschechoslowakei. Die Rede wurde von der BIZ veröffentlicht.
Fünfzig Jahre flexible Kurse. Frait erinnert daran, dass das Abkommen von Jamaika im Januar 1976 das Ende des Bretton-Woods-Systems formell bestätigte und flexible Wechselkurse „legalisierte“ – ein Jubiläum, an das sich laut ihm „kaum jemand erinnerte und das wohl niemand feierte“. Weil die Ordnung nach Bretton Woods jung ist, haben Notenbanken darin nur wenige Konjunktur- und Finanzzyklen erlebt, was ihr Wissen über ihre Funktionsweise begrenzt.
Rückkopplungen. Zinsen würden davon getrieben, wie Märkte, Medien, Notenbanken und Wissenschaft aufeinander reagieren, und diese Mechanismen könnten als starke Verstärker wirken. Die Rückkopplung laufe nicht nur zwischen Notenbankern und Märkten – die Debatte um die „Spiegelkabinett“-Effekte bei der Fed –, sondern auch zwischen Notenbankern und akademischen Ökonomen sowie zwischen den Notenbanken selbst.

„High for long“. Die Märkte seien von „low for long“ zu „high for long“ übergegangen; die Demografie werde nun als Grund für höhere Langfristzinsen genannt, wo sie vor wenigen Jahren noch für säkulare Stagnation stand. Frait sieht eine recht kräftige Kreditexpansion bei privaten und öffentlichen Schulden und erinnert an Friedmans Einsicht, dass immer schnellere monetäre Expansion zur Belebung letztlich vergeblich ist – dieselbe Logik gelte für fiskalische und private Kreditexpansion, die nicht nur in Inflation, sondern auch in scharfer Disinflation enden könne.
Bankenregulierung. Er warnt vor „einer koordinierten Anstrengung“ in Europa, Regulierung und Aufsicht zu lockern, um „gebundenes“ Kapital freizusetzen – selbst um den Preis eines nachsichtigeren Umgangs mit Liquiditäts- und Staatsrisiken, die beide im Zentrum der jüngsten Krisen standen. Die Nostalgie nach Banken mit Aktiva vom 33-Fachen ihres Kapitals nennt er „wirklich bemerkenswert“.
Fiskalische Dominanz. Den nahezu einhelligen Befund, hohe Staatsschulden führten zu fiskalischer Dominanz und schränkten die Notenbanken ein, hält Frait für „ebenso wenig überzeugend“ wie den früheren, der lange ultralockere Politik verlangte. Vorab einzuräumen, das Bekenntnis zu solidem Geld könne wanken, würde Moral Hazard schaffen und hieße, eine Put-Option auf die monetäre Finanzierung überschuldeter Sektoren zu gewähren.
Quelle: Tschechische Nationalbank, Eröffnungsrede von Jan Frait, veröffentlicht von der BIZ — https://www.bis.org/speeches/20261007-czech-koruna-50-years-after-beginning-post-bretton-woods-system-and-czech-national-bank-100-years-after-establishment