Fed-Studie: Amtliche Daten sind zu grob und zu spät für US-Chipfabriken
Ein am 29. September veröffentlichtes Arbeitspapier der Federal Reserve stellt eine praktische Frage: Woran erkennt die Politik fast in Echtzeit, ob die USA tatsächlich Chipfabriken bauen? Die Antwort von David Byrne und Robert Kurtzman vom Fed Board und Heidi Williams vom Congressional Budget Office und Dartmouth College lautet: Amtliche Statistiken allein können es nicht zeigen.
Die Autoren prüfen vier staatliche Quellen: die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und die Anlagevermögensrechnung des Bureau of Economic Analysis, die jährliche Unternehmenserhebung des Census Bureau sowie die zwei zeitnächsten Monatserhebungen zu Aufträgen der Industrie und zu Bauausgaben. Alle nutzen laut Papier zu breite Kategorien oder erscheinen zu spät. Die Bauausgaben fassen Computer-, Elektronik- und Elektroindustrie zusammen, sodass ein Boom bei Batteriewerken in derselben Zeile landete wie der Fabrikausbau; diese Reihe verzehnfachte sich von 2021 bis 2023, während die Jahreserhebung für dieselben Sektoren längst nicht so stark stieg.
Die Alternative sind Projektdaten des Branchenverbands SEMI, der einzelne Fabriken weltweit vierteljährlich mit rund zehn Wochen Verzögerung erfasst. Im Vergleich mit amtlichen Zahlen bis 2023 finden die Autoren weitgehende Übereinstimmung der Investitionsniveaus und halten SEMI für eine glaubwürdige Ergänzung. SEMIs Prognosen enthalten Projekte, deren Umsetzung der Verband für mindestens 50 % wahrscheinlich hält.
Der Anlass ist makroökonomisch. Chips machen laut Papier mehr als die Hälfte der Kosten KI-fähiger Rechenzentren aus, und weil die meisten importiert werden, trägt der Rechenzentrumsboom weniger zum US-Wachstum bei, als seine Größe vermuten lässt.

Warum das wichtig ist
KI-Investitionen sind groß genug, um das US-BIP zu bewegen, und dieses Papier sagt, dass die amtlichen Daten noch nicht zeigen, wie viel davon im Inland gebaut wird. Die Autoren nennen amtliche und alternative Daten „Ergänzungen, keine Ersatzquellen“.