Bank-of-Canada-Vize Rogers: Zinsen sind zu grob, um Wohnkosten gezielt zu steuern
Carolyn Rogers, Senior Deputy Governor der Bank of Canada, hat in einer Rede in Victoria (British Columbia) am 1. Oktober 2026 erklärt, was Geldpolitik bei der Erschwinglichkeit von Wohnraum kann und was nicht. Der Text wurde von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich veröffentlicht.
Warum Wohnen eine Notenbank angeht. Hypotheken sind der größte Teil der Haushaltsschulden in Kanada, und rund die Hälfte aller Bankkredite hängt an Wohnimmobilien. Rogers ergänzt einen strukturellen Punkt: 2000 machten Wohnbauinvestitionen 4,3 Prozent des BIP aus, Unternehmensinvestitionen in Maschinen, Ausrüstung und Innovation 8,3 Prozent; heute ist das Verhältnis umgekehrt – was sie mit Kanadas Produktivitätsproblem verbindet.
Fünfzehn Jahre Politik, die wirkte – und die Erschwinglichkeit nicht zurückbrachte. Rogers geht ihre eigene Laufbahn durch: ein Expertengremium in British Columbia zum „Shadow Flipping“ 2016, dessen 28 Empfehlungen alle übernommen wurden; den Hypotheken-Stresstest der Aufsicht OSFI von 2017, der laut ihr tat, wofür er gedacht war – strengere Kreditvergabe und ein Puffer für Kreditnehmer in einer Phase stark steigender Zinsen –, die Erschwinglichkeit aber kaum verbesserte; und die Arbeit im Basler Ausschuss, die dasselbe Muster in vielen Industrieländern zeigte. In Kanada stieg der Durchschnittspreis eines Hauses im Pandemieboom um rund 50 Prozent in zwei Jahren.

Die zwei Fragen der Rahmenüberprüfung. Im Zuge ihrer Fünfjahresüberprüfung fragte die Bank, ob die Geldpolitik stärker gegen steigende Hauspreise vorgehen sollte und ob der VPI Wohnkosten richtig misst. Zur ersten Frage sagt Rogers: Zinsen wirken auf Hauspreise, aber die Bank setzt einen Zins für die gesamte Wirtschaft; sie kann nicht einen für Wohnen und einen für alles andere festlegen, und Zinsen bauen keine Häuser, widmen kein Land um und beschleunigen keine Genehmigungen. Zur zweiten prüfte die Bank Alternativen – mehr Gewicht für Hauspreise, andere Behandlung der Hypothekenzinsen, Mietäquivalente – und fand bei jeder Vorteile und eigene Probleme, ohne eine einfache Änderung, die klar besser wäre. Sie verweist darauf, dass Zinserhöhungen über die Hypothekenzinsen die gemessene Inflation vorübergehend erhöhen.
Ihr Fazit. Erschwinglichkeit verlangt mehr Angebot, bessere Planung und Infrastruktur, Regulierung, die Widerstandskraft schützt, und Anreize, die keine zusätzliche Nachfrage schaffen. Der beste Beitrag der Notenbank bleibt Preisstabilität; Wohnen bleibt ein wichtiger Faktor für Zinsentscheidungen, doch Hauspreise direkt anzusteuern hieße, mehr von der Geldpolitik zu verlangen, als sie vernünftigerweise leisten kann.
Quelle: Bank of Canada, Rede von Carolyn Rogers, veröffentlicht von der BIZ — https://www.bis.org/speeches/20261007-canadas-housing-affordability-dilemma