Wie lange ein Preisschock braucht: RBI erhöht, Lane wartet, New York Fed misst ein Jahr
Ein Angebotsschock, ob durch Energie oder Zölle, verteuert zunächst einige Preise direkt. Für Notenbanken ist entscheidend, ob er sich danach ausbreitet: auf andere Preise, Löhne und Erwartungen. Drei am 6. und 7. Oktober veröffentlichte Texte beantworten diese Frage unterschiedlich, und der Unterschied hat auch mit dem Zeitpunkt zu tun.
Die Reserve Bank of India hat erhöht. Am 7. Oktober hob der geldpolitische Ausschuss der RBI den Leitzins um 25 Basispunkte auf 5,50 % an und wechselte zu „kalibrierter Straffung“. Die eigene Einschätzung der Zweitrundeneffekte ist vorsichtig: „einige Hinweise auf erhöhte Inflationserwartungen und eine Verbreiterung der Inflation“, aber „nur begrenzte Anzeichen, dass sich angebotsseitiger Druck im Preissetzungsverhalten festsetzt“. Zweitrundeneffekte, heißt es, „brauchen Zeit und sind aus den verfügbaren Daten schwer herauszulesen“. Gehandelt hat die RBI dennoch, bei einer erwarteten durchschnittlichen Inflation von fast 5,8 % in den nächsten drei Quartalen.

Der EZB-Chefvolkswirt beobachtet. In einem am 6. Oktober veröffentlichten Interview sagte Philip Lane, die EZB habe „bislang keine sehr starken Zweitrundeneffekte“ des Energieschocks gesehen, während die Energiepreise über dem Basisszenario lägen. Er nannte einen Faktor, der in die Gegenrichtung wirkt: Steigende Langfristzinsen, besonders wenn sie von außerhalb Europas getrieben sind, bremsen die Wirtschaft und senken für sich genommen die Inflation.
Die New York Fed hat die Verzögerung gemessen. Am selben Tag auf Liberty Street Economics zusammengefasste Forschung zeigt: Zölle erreichen die Importpreise fast sofort, ihre Wirkung auf in den USA hergestellte Waren über Vorleistungskosten und Aufschläge baut sich aber über sechs bis zwölf Monate auf; der volle Effekt auf die Konsumgüterpreise braucht etwa ein Jahr.
Was sie verbindet. Das Ergebnis der New York Fed liefert einen Grund, warum „bislang nicht gesehen“ und „jetzt handeln“ zugleich vertretbar sein können: Der indirekte Teil eines Preisschocks kommt spät. Die RBI, die für das kommende Quartal einen Inflationsgipfel von 6,0 % erwartet, wollte nicht warten, bis er sichtbar wird; Lane beschrieb die EZB als noch in der Bewertung.