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Energieschock, drei Lesarten: EZB wartet auf Löhne, Türkei mit Preissprung, USA im Boom

Drei offizielle Dokumente der vergangenen Tage zeigen denselben Energieschock durch drei verschiedene Linsen. In Helsinki sagte Bank-of-Finland-Direktor Tuomas Välimäki am 2. November, die Inflation im Euroraum sei im September auf 3,8 % gestiegen, vor allem wegen Energie, doch Kerninflation, Löhne und Erwartungen zeigten bisher kaum Zweitrundeneffekte; deshalb habe die EZB die Zinsen gehalten und entscheide von Sitzung zu Sitzung.

In Ankara weist die Inflationstabelle der Zentralbank allein für Oktober einen Preisanstieg von 2,58 % aus, den größten Monatsanstieg seit April, bei einer Jahresrate von 29,77 %. Die Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung vom 22. Oktober beschreibt die Energiepreise wegen geopolitischer Entwicklungen als erhöht und schwankend und die Agrarpreise wetterbedingt als hoch. Die Bruttoreserven der Bank sanken zwischen Mitte September und Mitte Oktober um 9,6 Mrd. Dollar.

In Washington beschreibt die Erklärung des Finanzministeriums vom 2. November für seinen Refinanzierungsausschuss eine Wirtschaft, die im dritten Quartal um 3,4 % wuchs, getragen von 20,9 % mehr Ausrüstungsinvestitionen und dreistelligem Wachstum der Ausgaben für Rechenzentren, bei kräftig steigenden Importen und einem Abzug von 3,3 Punkten durch die Nettoexporte. Der Energieschock kommt in dem Dokument kaum vor.

Energieschock, drei Lesarten: EZB wartet auf Löhne, Türkei mit Preissprung, USA im Boom
Energieschock, drei Lesarten: EZB wartet auf Löhne, Türkei mit Preissprung, USA im Boom — Rate Brief

Was das bedeutet

Derselbe Schock erzeugt unterschiedliche geldpolitische Probleme. Der Euroraum fragt, ob ein Sprung im Preisniveau dauerhaft wird; die Türkei, die schon bei fast 30 % Jahresinflation startet, hat für eine Überraschung im Monat viel weniger Spielraum; die USA lesen ihre Daten durch einen Investitionsboom. Für Währungen zählt der Unterschied in der Ausgangslage mehr als der Schock selbst.